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Baumwollgarn: Ein umfassender Leitfaden

Baumwolle ist seit Jahrhunderten ein beliebtes Material für Sommerkleidung. Diese kühlende Faser sorgt dafür, dass wir uns auch an warmen Tagen leicht und luftig fühlen. In Garnform kann sie genau diesen Effekt haben – wird jedoch oft missverstanden.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, was Baumwolle eigentlich ist und warum sie uns in den warmen Jahreszeiten kühl hält. Außerdem gehen wir auf mögliche Herausforderungen ein, die beim Stricken mit dieser robusten Faser auftreten können und zeigen dir, wie du sie vermeidest. 

WAS IST BAUMWOLLE?

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Baumwolle ist – ebenso wie Hanf und Leinen – eine pflanzliche Faser mit einem sehr hohen Zelluloseanteil. Tatsächlich ist ihr Zellulosegehalt der höchste aller pflanzlichen Fasern und liegt je nach Verarbeitung zwischen 95% und 99%.

 

Zellulose ist der Grund dafür, dass diese Faser so atmungsaktiv ist. Sie ist ein sehr poröses Material und der Hauptbestandteil der Zellwand. Solange die Pflanze lebt, besitzt die Faser eine Art Tunnel in ihrer Mitte, das sogenannte „Lumen“. Mit der Zeit kollabiert dieses Lumen, sodass im Inneren der Faser ein hohler Kanal zurückbleibt. Diese natürliche Porosität macht Baumwolle außerdem besonders saugfähig.

Baumwolle kann mehr als das 20-Fache ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen. Das bedeutet: Wenn wir im Sommer schwitzen, nimmt sie die Feuchtigkeit auf und gibt sie langsam durch Verdunstung wieder ab. Zum Warmhalten ist sie allerdings weniger geeignet. Im Gegensatz zu Wolle, die sehr schnell trocknet, gibt Baumwolle Feuchtigkeit nur langsam wieder ab. Das ist einer der Gründe für den Spruch „cotton kills“: Wer bei niedrigen Wintertemperaturen beim Sport in Baumwolle schwitzt, riskiert, dass das Material nicht trocknet – was bei Kälte sehr gefährlich sein kann.

Zusammengefasst ist Baumwolle sehr robust, besonders im nassen Zustand, und bei sorgfältiger Behandlung äußerst langlebig. Sie ist atmungsaktiv und hervorragend im Feuchtigkeitstransport, gleichzeitig aber auch schwer und wenig elastisch. Diese Eigenschaften sind weder gut noch schlecht – sie sind der Natur dieser Pflanze geschuldet. Verarbeitet zu Garn und schließlich zu gestrickten Kleidungsstücken können sie jedoch zu einigen Herausforderungen führen, die wir im Folgenden genauer betrachten.

STRICKEN MIT BAUMWOLLE – HERAUSFORDERUNGEN

Die allgemeinen Herausforderungen (und Lösungen) beim Stricken mit pflanzlichen Fasern haben wir bereits in einem anderen Beitrag angesprochen. Hier gehen wir nun etwas tiefer auf die Aspekte ein, die speziell Baumwolle betreffen. All diese „Probleme“ ergeben sich aus den natürlichen Eigenschaften der Pflanze und können zunächst sehr negativ klingen – vor allem, wenn man die oft einfachen Lösungen nicht kennt. Gleichzeitig sind es genau diese Eigenschaften, die einen großen Teil dessen ausmachen, was wir an Baumwolle so schätzen: ihren natürlichen Fall und ihre Weichheit.

MANGELNDE ELASTIZITÄT

Alle pflanzlichen Fasern sind von Natur aus weniger elastisch als Proteinfasern. Das beeinflusst die Fähigkeit eines Kleidungsstücks, in seine ursprüngliche Form zurückzuspringen (dazu später mehr), ebenso wie Rippenmuster und die Passform des gewählten Modells. Wenn du schon einmal mit 100% Baumwolle gestrickt hast, ist dir sicher aufgefallen, dass Rippen weniger dehnbar sind als bei einem Garn aus Proteinfasern.

 

Das muss kein Nachteil sein – im Gegenteil, es kann dem Material sogar die Stabilität verleihen, die ihm sonst fehlt. Wichtig ist nur, dies beim Stricken und bei der Musterauswahl zu berücksichtigen. Ein eng an der Taille anliegendes Top wird sich mit reiner Baumwolle zum Beispiel oft nicht so verhalten wie erwartet. Wenn du mehr Elastizität möchtest, greife zu stärker gezwirnten Garnen, denn der höhere Drall sorgt für mehr Rücksprungkraft. Noch besser geeignet sind Mischgarne mit Wolle oder einer synthetischen Faser.

SCHWER UND DEHNBAR

Ich sehe das persönlich nicht wirklich als Problem, denn es gibt eine einfache Lösung – und außerdem lässt sich die natürliche Neigung von Baumwolle, mit der Zeit auszuhängen, von Anfang an vermeiden.

Baumwolle ist von Natur aus eine schwere Faser. Mit der Zeit setzt sich die Schwerkraft durch und das Kleidungsstück beginnt, sich nach unten zu dehnen. Das lässt sich durch Waschen (in wärmerem Wasser, immer unter Beachtung des Garnetiketts) und anschließendes erneutes Spannen beheben. Noch besser ist es jedoch, dem vorzubeugen: Stricke mit leichteren Garnen und vermeide schwere, stark strukturierte Muster, die mehr Garn benötigen und somit zusätzliches Gewicht ins fertige Stück bringen.

INSTABILITÄT UND SCHRÄGZUG

Das ist vermutlich der kniffligste und nervigste Punkt – kommt aber auch am seltensten vor.

Um Baumwolle elastischer zu machen, werden Garne manchmal sehr fest gezwirnt. Das ist grundsätzlich positiv, da es einem ansonsten sehr weichen Material mehr Stabilität und Haltbarkeit verleiht und das Pilling reduziert. Allerdings kann ein hoher Drall auch dazu führen, dass sich das gestrickte Gewebe verzieht und schräg zieht – also zu einer Seite kippt.

Eine echte Lösung dafür gibt es leider nicht. Der einzige Weg ist, wie so oft, eine Maschenprobe im geplanten Muster zu stricken. Wenn sich deine Probe nach dem Blocking zu einer Seite neigt, bleibt dir nur, mehr linke Maschen einzubauen, da diese dem Garn zusätzliche Stabilität verleihen. Das bedeutet allerdings meist, dass du die ursprüngliche Idee für dieses Garn noch einmal überdenken musst.

ABSCHLIESSENDE GEDANKEN

Baumwolle ist ein atmungsaktives, weiches und langlebiges Material für sommerliche Basics. Ihre Nachteile werden – einmal verstanden – zu einfachen Faktoren, die man bei der perfekten Kombination aus Garn und Strickmuster berücksichtigen kann.


Wenn du ein Strickstück aus 100% Baumwolle planst, achte unbedingt auf eine sorgfältige Maschenprobe, bevor du mit dem Projekt beginnst. Dazu gehört auch, die Probe genauso zu waschen, wie du später dein fertiges Kleidungsstück waschen würdest. Und denke immer daran, Baumwollteile sauber und trocken zu lagern, da sie anfällig für Schimmelbildung sind.


Du kannst dir sicher sein: Ein gut gestricktes Baumwollteil wird dich über Jahrzehnte hinweg begleiten.