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Das perfekte Garn für Sommerstricks: So wählen Sie richtig

Stricken im Sommer kann herausfordernd sein. Ein Garn, das im Winter kuschelig wirkt, kann bei Hitze schnell schwer, heiß und unangenehm werden. Das richtige Garn sorgt dafür, dass Ihre Kleidungsstücke leicht, atmungsaktiv und angenehm auf der Haut sind.

In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Fasern sich für Sommerstricks eignen, welche Muster am besten passen und worauf Sie beim Stricken achten sollten.

Was macht ein Garn sommerlich geeignet?

Atmungsaktivität

Cellulosefasern (Baumwolle, Leinen und Hanf) sind wahre Champions in Sachen Atmungsaktivität. Im Gegensatz zu Proteinfasern, die die Luft zwischen unserem Körper und dem Kleidungsstück speichern, leiten pflanzliche Fasern die Wärme vom Körper weg und ermöglichen die Zirkulation von Luft und Feuchtigkeit. Dies liegt daran, dass sie aus Cellulose bestehen, einem sehr porösen Material, das den Luftaustausch erleichtert.

FEUCHTIGKEITSAUFNAHME

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Ihre Teetücher oder Badetücher aus Baumwolle oder Leinen bestehen? Sie sind hydrophil – sie lieben Wasser und nehmen es gut auf. Baumwolle kann das 25-fache ihres Eigengewichts an Wasser aufnehmen. Das bedeutet, dass Ihr Cellulose-Kleidungsstück im Sommer den Schweiß von Ihrem Körper aufnimmt und durch Verdunstung wieder abgibt, sodass Sie frisch und angenehm bleiben. Unter allen Cellulosefasern trocknet Leinen am schnellsten.

GARNSTÄRKE UND MASCHENMUSTER

Cellulosefasern sind schwerer als Proteinfasern. Daher sollten Sie sorgfältig auswählen: (1) das Muster und (2) die Garnstärke. Dies beeinflusst nicht nur den Tragekomfort Ihres fertigen Kleidungsstücks, sondern auch, wie sich das Kleidungsstück im Laufe der Zeit verändert: Je häufiger Sie es tragen, desto mehr kann es sich dehnen, ausleiern oder verziehen. Grund dafür ist der fehlende Elastizitätsgrad von Cellulosefasern – sie besitzen keine „Maschenspeicher“ oder „Sprungkraft“… dazu später mehr.

NATURFASERN FÜR SOMMERSTRICKS

BAUMWOLLE

Weich, atmungsaktiv und saugfähig. Baumwolle (wie auch Leinen) ist historisch gesehen die beste Wahl für bequeme Sommerkleidung.
Beim Handstricken ist es jedoch wichtig, das richtige Baumwollgarn zu wählen. Baumwolle als Strickgarn ist nicht so stabil wie verarbeitetes Stoffmaterial. Viele Stricker*innen stellen nach dem Waschen oder nach längerem Tragen fest, dass ihr ehemals schönes Kleidungsstück an Form verliert.
Baumwolle ist von Natur aus schwer und deutlich weniger elastisch als Proteinfasern, was bedeutet, dass sie nicht leicht „zurückspringt“. Daher empfiehlt es sich, ein leichtes Kleidungsstück mit dünnerem Garn zu stricken, insbesondere bei 100% Baumwolle. Je schwerer das Garn oder je voluminöser das Maschenmuster, desto stärker dehnt sich das Stück im Laufe der Zeit (Wäsche kann helfen, die Form wiederherzustellen). Schwerere Kleidungsstücke profitieren daher oft von Baumwollmischungen mit Wolle oder synthetischen Fasern, um die fehlende Elastizität auszugleichen.
Wenn Sie mehr über Baumwolle erfahren möchten, klicken Sie hier.

LEINEN

Robust und wird mit der Zeit schöner. Leinen hat alle Eigenschaften von Baumwolle, ist aber stärker, trocknet schneller und, obwohl noch weniger elastisch, stabiler.
Beim Stricken mit Leinen wählen Sie am besten lockere Schnitte, da enge Stücke von der fehlenden Dehnbarkeit nicht profitieren. Schals und locker fallende T-Shirts eignen sich hervorragend. Wählen Sie eine Farbe, die Sie lieben und häufig tragen möchten, denn der erste rustikale und grobe Eindruck von Leinen verschwindet mit der Zeit und das Material wird weicher und geschmeidiger. Altes Leinen ist oft besser als neues.

HANF

Nachhaltig und umweltfreundlich. Hanf stammt aus der Familie der Cannabis-Pflanzen, die leicht anzubauen ist und kaum Schädlinge hat, sodass beim Anbau keine Pestizide benötigt werden.
Hanf hält Sie noch besser kühl als Baumwolle. Der Nachteil: Wie Baumwolle und Leinen fehlt es an Elastizität, und zusätzlich ist es gröber, was das Stricken etwas rauer macht. Die meisten Hanfgarne sind jedoch Mischungen mit Baumwolle, Leinen oder Viskose.

sEIDE

Luxuriös und glänzend. Seide ist keine Pflanzenfaser, verdient aber dennoch einen Platz unter den Sommergarnen. Sie teilt viele Eigenschaften mit Wolle: Wärme speichern, Feuchtigkeit aufnehmen, aber dabei leicht und atmungsaktiv sein. Seide ist stärker als Wolle (außer wenn nass), daher vorsichtig beim Spannen. Seide ist elastischer als Baumwolle oder Leinen, aber nicht so „springend“ wie Wolle – berücksichtigen Sie dies bei der Musterwahl. Seide glänzt und fällt schön, ideal für Sommertops, Camisoles oder Schals.

WAS IST MIT SEMISYNTETISCHEN ODER SYNTHETISCHEN FASERN?

Auch diese Fasern haben ihren Platz in Sommerstricks, besonders in Mischungen mit den oben genannten Naturfasern. Sie stabilisieren sonst unflexible Garne und fügen dort Elastizität hinzu, wo sie fehlt. Nachteile gibt es, aber dazu in einem anderen Beitrag mehr.

TIPPS ZUR WAHL DES SOMMERGARNES

MASCHENPROBE

Die Maschenprobe ist mehr als ein Test, ob das Kleidungsstück passt. Sie zeigt, wie das Garn sich verhält. Nutzen Sie sie intensiv: Wickeln Sie sie um Handgelenk oder Unterarm, tragen Sie sie Tage lang, waschen Sie sie, tragen Sie sie erneut. Verzieht sich das Gestrick? Läuft es auf? Wird es glatter? Verfärbt es sich beim Waschen? All das hilft Ihnen zu entscheiden, ob das Garn für Ihr Projekt geeignet ist.

LOCKERHEIT BERÜCKSICHTIGEN

Das fehlende Rücksprungvermögen vieler dieser Fasern beeinflusst die Lockerheit des Kleidungsstücks. Besonders bei Rippenstrick an Taille, Kragen oder Ärmeln fällt dies auf – sie dehnen sich nicht wie bei Proteinfasern. Deshalb sind Muster mit mehr Lockerheit empfehlenswert, besonders wenn Sie keine Mischungen verwenden.

NADELN

Achten Sie auf Ihre Nadeln. Bei rutschigen Garnen (100% Seide) sind Holz- statt Metallnadeln oft angenehmer. Einige Expert*innen empfehlen kleinere Nadeln, um handgestrickte Seidenstücke formstabiler zu halten. So dehnen sie sich beim Tragen, verlieren aber nicht die ursprüngliche Passform.

WAS SIE VON IHREM KLEIDUNGSSTÜCK ERWARTEN

Nicht alle Garne eignen sich für alle Kleidungsstücke. Überlegen Sie vor dem Kauf, was Ihr Strickstück leisten soll: Soll es locker fallen? Ihren Körper umschmeicheln? Die Taille betonen?
Überprüfen Sie Projektseiten wie Ravelry: Hat jemand Ihr Garn oder ein ähnliches Garn verwendet? Welche Erfahrungen gab es? Es klingt nach viel Arbeit, lohnt sich aber: Garn ist teuer und Stricken aufwendig – nach Ihrer Investition verdienen Sie ein Endergebnis, das Sie lieben.